Luaga & Losna, Autorenlesungen

Autorinnen und Autoren 2017 in der ARTENNE

Katrin Ackerl Konstantin,
Julian Amankwaa,
Peter Danzinger,
Kim Ehinger,
Leon Engler,
Frauke Jacobi,
Tobias Kiwitt,
Thomas Krause,
Martin Ohrt,
Kerstin Pell,
Stephan Roiss,
Sven Stäcker,
Mischi Steinbrück,
Alexandra Turek

Zeitplan der Lesungen

Mittwoch 21. 6.

14.00 Uhr, Artenne
Lesungen und Textbesprechungen
Peter Danzinger – OK
Mischi Steinbrück – Catchwalk für Eurydike

Donnerstag 22. 6.

11.45 Uhr, Abfahrt Rettungszentrum Nenzing
LESEWANDERUNG AUF DER ALPE GAMP
Lesungen und Textbesprechungen
Martin Ohrt – Hinter dem großen Wasser
Leon Engler – Die Erhitzung meiner butterweichen Seele
Frauke Jacobi – Haus über Kopf
Kim Ehinger – Die Vaterlosen

Freitag 23. 6.

14.00 Uhr, Artenne
Lesungen und Textbesprechungen
Thomas Krause – Die spinnen, die Menschlichen
Julian Amankwaa – 5 Minuten Narben auf der Haut

Samstag 24. 6.

10.00 Uhr bis 16.00 Uhr, Artenne
Lesungen und Textbesprechungen
Alexandra Turek – Sommerliebe
Tobias Kiwitt – N.N.
Kerstin Pell – Lotte und Henry wohnen zusammen
Stephan Roiss – Krötenkönig
Sven Stäcker – Schapinsky retourniert

Literaturnacht Programmablauf

18.00–18.15: Musikalische Einstimmung durch „Sonchan“

18.15-18.40: Lesung Renate Aichinger
18.40-19.05: Lesung Eugen Fulterer

19.05-19.25: Pause – musikalisch untermalt mit „Sonchan“

19.25-19.50: Lesung Jürgen Thomas Ernst
19.50-20.15: Lesung Nadine Kegele

20.15-20.35: Pause – musikalisch untermalt von „Sonchan“

20.35-21.00: Lesung Selma Mahlknecht
21.00-21.25: Lesung Kurt Bracharz

21.25: Ausklang (open end)

Samstag 17. Juni 2017

Eintritt: 17 Euro ermäßigt 12 Euro

 

„ … und so den Raum betrat, auf 47sten Breitengrad…“

Mit Adalbert Fässler (CH), Alois Galehr (A), Marcus Gossolt (CH), Al Hanson Al (USA, † 1995), Ra’anan Harlap (IL), Wolfgang Herburger (A), Nadine Hirschauer (A), Sigrid Hutter (A), Sonja Lixl (A), Hubert Matt Hubert (A), Herbert Meusburger Herbert (A), May-Britt Nyberg Chromy (DK/A), Oswald Oberhuber (I/A), Rainer Schneider (A), Nita Tandon (IND/A), Erwin Wurm (A)
Artenne Nenzing
11.6.-23.7.2017

 

Text Vernissage am 11.6.2017 von Karlheinz Pichler
Gegenstände, Objekte, Formen und Strukturen aus dem alltäglichen Umfeld, der Industrie oder der Natur sind es also, die den Ausgangspunkt unserer Ausstellung „ … und so den Raum betrat, auf 47stem Breitengrad …“. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler zeigen, wie Gefundenes und Gewöhnliches durch künstlerische Eingriffe und Erfindungsgabe aus seiner ursprünglichen Bedeutung herausgelöst und in die Ebene der Kunst transformiert wird.

Die Gruppenschau knüpft an die letztjährige Ausstellung „Stöbern und Stolpern“ an, die sich mit Dachböden und anderen Erinnerungsräumen beschäftigt hat. Setzten sich die KünstlerInnen im vergangenen Jahr mit Dachböden, Archiven oder Bibliotheken, die ja als räumliche Erinnerungsmetaphern gelten, auseinander, um die in einer Art Zwischenzustand befindlichen Dinge aus der Vergessenheit zu erlösen, folgt in diesem Jahr die Erweiterung der „Trouvaille“ und deren Bearbeitung auf das allgemeine private und öffentliche Umfeld.

Der Ausstellungstitel „ … und so den Raum betrat, auf 47sten Breitengrad…“ ist zweifellos kryptisch gewählt. Gleichwohl ist er aber erzählend. Er meint, dass eine Form, eine Struktur, ein Objekt gefunden wird, dann durch künstlerische Eingriffe zu einem Kunstwerk transformiert wird und als solches nun den Kunstraum betritt und sich dort repräsentiert. Und dieser Kunstraum, eben die Artenne, liegt auf dem 47. Breitengrad. Genau genommen liegt Nenzing auf 47 Grad und 11 Minuten nördlicher Breite. Assoziationen zum Parfüm 47 11 entstehen rein zufällig, dennoch habe wir ein kleines Fläschchen 4711, das Nadine Hirschauer auf einem Flohmarkt gefunden, in einer Schneekugel repräsentiert, als kleinen Ausgangspunkt der Ausstellung genommen.

Nachfolgend nun einige kurze Bemerkungen zu den Kunstschaffenden in alphabetischer Reihenfolge.

Für schräge Objekte, die voller Ironie stecken, ist der Appenzeller Maler, Zeichner und Bildhauer Adalbert Fässler bekannt. In der letzten Kammer im obersten Stock hat er eine Reihe solcher merkwürdigen, zum Schmunzeln verleitenden Kunstwerke arrangiert. Darunter mehrere Steine mit eingebauter Zeituhr. Material, das sich in Zigtausenden von Jahren nur um Millimeter bewegt, kann mit dieser Schaltuhr definitiv zum Stillstand gebracht werden. Auch die tragbare Eisenbahnschwelle, die als Handgepäck mitgenommen werden kann, stammt von ihm.

Alois Galehr, den man hier ja als Platzhirsch bezeichnen kann, zeigt unter anderem eine Reihe von Leuchtkästen, die wie Eisschollen übereinander geschichtet sind. Die Kästen stammen aus dem Vaduzer Gemeindebauamt. Galehr hat sie vor 17 Jahren sozusagen vor der Deponie gerettet. 2004 hat er mit diesen Leuchtkörpern anlässlich 125 Jahre Glühbiren bereits eine Lichtistallation am Rathausplatz Nenzing realisiert. Vor zwei Jahren zeigte er sich im Engländerbau Vaduz als Teil der Transfer – Ausstellung. Auf ihrere Odyssee legen sie nun wieder einen Zwischenstopp in Nenzing ein.

Von Markus Gossolt aus St. Gallen, den man in der Schweiz als einen Teil des Künstlerduos Com&Com bestens kennt, ist mit der Arbeit „Simulationsmilch“ vertreten. Auf einem Prozessorgehäuse steht eine alte Milchkanne auf der wiederum ein Röhrenmonitor ruht. Schaltet man den Computer ein, „ergiesst“ sich das Licht scheinbar wie Milch über die Kanne.

Ra’anan Harlap war schon im letzten Sommer zu Gast in der Artenne. Von ihm sehen wir weitere Beispiele im Umgang mit Abbruchbalken oder Kisten. Er nimmt das Material auseinander und fügt es dergestalt wieder zusammen, das die transformierten Ausgangsprodukte wie dreidimensionale Zeichnungen erscheinen.
Mit einer alten, analogen Zugzielanzeige der ÖBB nimmt Wolfgang Herburger im Eingangsbereich die vor allem in den 1970er Jahren populär gewordenen Fitness-Parcours auf die Schippe. Zwar gibt es noch hier und da solche Parcours mit den typischen Anleitungs-Piktogrammen. Aber in den letzten Jahren wurden sie immer mehr von Finnenbahnen verdrängt. Den Besuchern der Artenne steht es natürlich frei, solche Parcours-Übungen nachzuturnen. Wenn man die weissen Knöpfe an der herunterhängenden Schnur betätigt, erscheinen jeweils neue Anleitungszeichen.

Nadine Hirschauer hat verschiedene Plätze in Nenzing bewandert und nach ephemeren, also kurzlebigen Pflanzen gesucht aber auch nach historischen Begebenheiten. Von den gefundenen Pflanzen, mitunter handelt es sich dabei um banales Unkraut, fertigte sie Abdrücke auf Papier an. Wie bei einem Herbarium oder Museum ergänzt sie die Abdrucke mit exakten Geodaten und zeitlicher Bestimmung des Fundes. Ergänzt werden diese durch teils poetische Handlungsmöglichkeiten. Beispielsweise steht bei einem Fund dabei: Hier soll die Postkutschenstation Wien-Paris mit 50 Pferdeplätzen gewesen sein. Möglichkeit I: Was wäre, wenn ich hier bleiben würde? Für die nächsten 50 Minuten?

Sigrid Hutter hat für eine Oldtimer-Messe am Como-See eine Zeit lang alte Motorräder gezeichnet. Dafür erhielt sie von überall auf der Welt teils schlechte, teils bessere Fotos zugesandt, die sie dann in filigraner Arbeit mit Editierstift und Wasserfarben fast fotorealistisch aufs Papier brachte. Einige Beispiele, die auch als Vorlage für den Messekatalog dienten, sind im obereren Geschoss zu sehen.

Sonja Lixl, 1961 aus dem salzburgischen Hallein stammend, geht für ihre Werkserie von einem alten, 60 cm hohen tibetanischen Druckstock aus. Die Künstlerin, die heute in Reichenau an der Rax (NÖ) lebt und arbeitet, hat mit diesem Druckstock früher mehrere Serien ganz spezieller Gebetsfahnen hergestellt. An diese Werke knüpfen die Exponate an, die sie in Nenzing zeigt. Unter dem Titel „Windpferd 1-7“ wartet sie mit sieben Holzdrucken auf handgeschöpftem Papier auf.

Hubert Matt wartet mit einer Installation auf, die aus zwei abgesägten Stühlen besteht, die er vor der Entsorgung gerettet hat. Weiters gehören Schablonen für Tisch- und Stuhlbeine aus der Werkstätte seines Vaters, sowie persönliche Notizen und Fotos dazu. Diese erinnern an die drei „Musterfäden“ von Marcel Duchamp. Kleine Beine (für kleine Tische oder Schränke), die so ausschauen, als wären sie von vorhandenen Möbelstücken abgesägt, also auch “gerettet”, stammen ebenfalls vom Vater (als Sammler). Matt platziert die Stühle rechts und links eines Tisches (Beine auch aus dem Bestand der Werkstätte). Der Tisch wird gemäss den gekürzten Stühlen auch gekürzt. Alles schaut dann so aus, als wäre es versunken (in die Erinnerung vielleicht). Etwa an den Vater. Ausgerechnet heute haben wir ja Vatertag – dem entsprechend hat Matt seine Arbeit auch als „Vatertage“ betitelt.

Von Herbert Meusburger ist im Stall eine Bettfläsche aus Hohenemser Muschelkalk zu sehen. Er übersetzt damit nicht nur eine alltägliche Form ins Bildhauerische, sondern karikiert die Leichtigkeit der Ausgangsform mit der Schwere des eingesetzten künstlerischen Materials. In einer zweiten Arbeiten, einem Wandbild, hat er eine MDF-Platte mit Gips und Acryl überspachtelt und die dem Holz typischerweise innewohnende Maserung und Struktur mit mit Hilfe von Kaltnadelwerkzeug wieder freigelegt. Formal erinnern diese „Einschreibungen“ an Blumenwiesen, Heuhaufen, Laubwerk oder Steinkrusten.

An die 500 Nylon-Einkaufstaschen, die die Leute üblicherweise wegwerfen, hat May-Britt Nyberg Chromy für ihre Arbeit in Streifen geschnitten, miteinander verknüpft und zu Knäueln aufgewickelt. Die Knäuel hat sie dann zu einem vier Meter langen Wandteppich verhäkelt. In der Arbeit steckt Kritik an der Wegwerfgesellschaft, vor allem an der Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll, der in den Meerestieren kontaminiert in die Nahrungsmittelkette gelangt. Aus der Entfernung betrachtet wirkt die Arbeit auch wie ein abstraktes Bild, wie erweiterte Malerei.

Oswald Oberhuber ist mit einer sehr persönlichen Arbeit in der Schau vertreten. Auf einer Expedition in die Antarktis sind seine Zehen und der halbe Fuss abgefroren. Aus einem Protesenschuh, seinem zeichnerisch stilisierten Kopf von hinten und sonstigen Utensilien hat er ein makabres Selbstporträt geschaffen. Das Arrangement erinnert an einen miniaturisierten Kartonsarg.

Der Harder Künstler Rainer Schneider spielt bei seiner komplexen Deerhunter-Installation, mit der er auch den gleichnamigen Film referenziert, unter anderem mit der Wahrnehmung. Bei den Aufnahmen von Schleich-Spielzeugfiguren dominiert die Unschärfe. Es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, sind die Tiere echt oder nicht. Fotografien unterschiedlichen Formats sowie eine Video-Einspielung im Geäst einer kuriosen Hirschskulptur aus gefundenem Gehölz vereinen sich zu einer sehenswerten Einrichtung.

Von der aus dem indischen Ajmer stammenden und heute in Wien lebende Künstlerin Nita Tandon werden sieben Objekte ihrer Werkserie „Automats“ präsentiert. Dabei handelt es sich um Betonabgüsse von Autofussmatten, also jenen Gummiunterlagen, die wir während des Sitzens und Fahrens im Auto kaum zu Gesicht bekommen. Die Abgüsse sind die Negative dieser Matten. Alle Eindrücke einer Oberfläche, die wir sonst nicht erfühlen, spiegeln sich negativ im Betonabguss. Wie zumeist in ihrem Schaffen, geht es Tandon auch bei diesen „Automats“ um die Umkehrung von Ebenen, um den Aspektwechsel, das Erschaffen von Dingen, die zwei Sichtweisen erlauben.

Von Erwin Wurm letztlich haben wir eine kleine Arbeit aus den 1980er Jahren hier, in der aber die Ironie seiner heutigen Arbeiten bereits angelegt ist. Zwei Stuckatur-Kardätschen hat er so zusammengenagelt, dass sie einen stilisierten Kopf ergeben und diesen dann in wilder Manier bemalt.

 

alle Fotos: Fotoclub Nenzing

LITERATURNACHT MIT MUSIK

Samstag, 17. Juni 2017, 18 – 22 h

Renate Aichinger
Kurt Bracharz
Jürgen Thomas Ernst
Eugen Fulterer
Nadine Kegele
Selma Mahlknecht

Musik

SONCHAN Markus Marte und Thomas Kuschny

Die Sprache schöpft aus Erfahrungen, Erlebnissen, Erinnerungswerten, aus Erworbenem und Erfundenem, um neue Geschichten Textstrukturen und Sinnzusammenhänge zu schaffen. Parallel zur Stellung lädt die Artenne zu einer von Karlheinz Pichler kursieren Literaturnacht mit Musik, in der SchriftstellerInnen Einblick in ihr aktuelles Schaffen geben.

Eintritt: 17 Euro, ermäßigt 12 Euro

Programmablauf Literaturnacht

Green Hill School – Kashmir

Benefizverstaltung
3. Juni 20 Uhr, Artenne

Es spricht:
Cornelia Caldonazzi.
Es spielt:
Piano: Christof Moser – Wien
Drums: Stevie Moser – Nenzing

GREEN HILL SCHOOL

Schulprojekt in Kashmir – Benefizveranstaltung

Kashmir – ein umstrittenes Gebiet nordöstlich von Pakistan und ein ehemaliger Fürstenstaat in Südasien, der heute von Indien, Pakistan und der Volksrepublik China gleichermaßen beansprucht wird. Soweit Wikipedia. Für die Schlinserin Cornelia Caldonazzi aber auch ein unglaublich schönes Land mit herzlichen Menschen, für das sie sich seit Jahren engagiert. „2012 machte ich mit einer Freundin eine Trekkingtour und kam in ein kleines Himalayadorf auf 3.800 Metern Meereshöhe.“ Ganz spontan fragte sie den Direktor der Schule, ob Freiwillige dort mitarbeiten können. So verbrachte sie zwei Sommerferien dort und musste erst mal selbst vieles lernen. „All unsere pädagogischen Errungenschaften, all meine Kenntnisse musste ich beiseite legen und mich auf den Moment einlassen.“ In Kashmir lernte sie Leute kennen, die daran interessiert waren, Bildung auch in abgelegene Täler zu bringen. „Es ging ganz konkret um eine Talschaft, die keine Schule hatte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Ich verstand, dass Bildung für die Menschen dort die einzige Chance ist, aus der Armut herauszukommen.“ Schulprojekt Seit vier Jahren engagiert sie sich nun für das Schulprojekt „Green Hill School“, mit Fayaz Syed hat Cornelia Caldonazzi einen verlässlichen Partner vor Ort. „Er kennt die Menschen und ihre Denkweise, sowie die örtlichen Gegebenheiten“, so die Pädagogin. 38 Kinder werden zwischenzeitlich unterrichtet. Nicht zuletzt auf Grund der schwierigen politischen Lage Kashmirs findet Cornelia Caldonazzi Bildung immens wichtig. „Es braucht gute, kluge Köpfe, die die Friedensverhandlungen führen und vorantreiben können. Es braucht motivierte, fähige Menschen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Es braucht kreative Geister, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Es braucht mutige Frauen, um den Bildungsgedanken an die Kinder weiter zu geben. Und es braucht Kashmiri Intelligenz, um unabhängig von Indien dieses wunderschöne Land zu entwickeln.“ Um eine neue Schule für rund hundert Kinder bauen zu können, organisiert Cornelia Caldonazzi in ihrer Heimat immer wieder Benefizveranstaltungen.

 

Es kann kalt sein in der Artenne, also warm anziehen!