Eindrücke und Statements zum Projekt „Losgelassen, das Museum der nicht mehr gebrauchten Dinge“

LOSGELASSEN! Das Museum der nicht mehr gebrauchten Dinge

Für die Lange Nacht der Museen in der ARTENNE NENZING stellten  – Johanna Reiner, Johannes Hoffmann und Isabel Termini vom Eintagsmuseum – eine Ausstellung mit Objekten zusammen, die die Nenzinger nicht mehr brauchen, hassen und lieben.

 

 

Isabell Termini,  Kuratorin und Fotografin schreibt dazu:

„Das vorgegebene Jahresthema der Artenne war „Ansammlung“. Ausgehend von der Ansammlung der Familie Schlatter in Nenzing haben wir ein Projekt entwickelt, das einerseits die BewohnerInnen in Nenzing involviert und das andererseits auch Emotional Turn in der Kulturwissenschaften einbezogen hat . Aus diesem Grund haben wir die Menschen nicht nur um Objektspenden gebeten – eine Praxis, die in der Museumsszene schon viel praktiziert wird – sondern sie auch um ein Statement zu den Gefühlen gebeten, die sie mit dem Objekt verbinden.“

Zunächst haben wir die Familie Schlatter um Baumaterial für das Haus im Haus, die verdichtete Skulptur gebeten. Aus einer verkohlten Türe einer Selchkammer, Fenstern, Balken und Möbeln haben wir ein Haus im Haus gebaut. Es beherbergt unser Spiel. Ein Spiel, das BesucherInnen nach Hause nehmen, um über den Gefühlswert ihres Hausrates nachzudenken. Insofern steht das Haus auch für den Gefühlshaushalt.

Das Spiel:

Loslassen: 6 Gefühle und Gefühlszustände stehen zur Verfügung, 3 positive, 3 negative. Die Besucherinnen können sich 2 negative Gefühlssäckchen und 1 positives mitnehmen. Zu Haus ordnen sie den Säckchen Gegenstände zu und entscheiden dann, ob sie es behalten oder weggeben.

Auf diese Weise entsteht eine 2:1 Auswahl. Ausgehend davon, dass die den negativen Gefühlen zugeordneten Gegenstände auch losgelassen, sprich weggeben werden.

Auswahl der Gefühle bzw. Gefühlszustände: Wut, Trauer, Angst, Freude, Liebe, Erleichterung.

Wir haben die Auswahl stark reduziert. Ausgangspunkt ist eine Methode aus der Kunsttherapie, bei der man positive und negative Gefühle in einem Diagramm darstellt.

Die Sammlung des Museums der nicht mehr gebrauchten Dinge

Wir sind an 4 Tagen im Ort durch die Straßen gegangen und haben die Menschen direkt angesprochen. Wir haben uns als Künstlerinnen des Eintagsmuseums vorgestellt und gesagt, dass wir eine Ausstellung in der Artenne vorbereiten. Dafür bitten wir sie um Dinge, die sie explizit nicht mehr brauchen können, die sie losbekommen wollen.

Die Reaktionen der Menschen in Nenzing waren sehr unterschiedlich. Manche waren sehr ablehnend. Einige haben uns spontan Gegenstände gegeben und  gleich sehr viel über ihr Motivation und ihre Gefühle erzählt. Manche haben sich Bedenkzeit erbeten und wir haben in den darauffolgenden Tagen die Objekte abgeholt. Einige Objekte sind auch in die Artenne gebracht worden, zwei davon am Ausstellungsabend.“

Objekte (Auswahl)

Video Sammlung
Fotoapparate Sammlung
Kerzenleuchter
unvollendetes Portrait des Dalai Lama
Lebensgroßer Ringer auf Spanplatte
Päckchen Blutorangentee
Schnapsgläser mit Schnaps
Wanduhr
Heftmaschine in Form eine Huhns
Souvenirs aus Ägypten
Häckeldeckchen
Duftlampe

 

 

 

 

 

 

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Dinge als Inspirationsquelle für Schreiben, Komponieren und Sehen

Vier Kreativ-Workshops in der Artenne Nenzing zum Thema „Dinge sprechen“
Im Rahmen ihres Herbstprogramms lädt die Artenne zu vier Workshops mit bekannten Kulturschaffenden, für die alltägliche und private Dinge den Ausgangspunkt für eine Beschreibung, Erzählung, Zeichnung oder das Erzeugen von Klängen darstellen. Als Workshop-LeiterInnen konnten die Schriftstellerin Daniela Egger, der Künstler und Philosoph Hubert Matt, der Komponist Gerold Amann sowie Johanna Reiner vom „Eintagsmuseum“ gewonnen werden.

Workshop I: Schreib-Workshop mit Daniela Egger: Jedes Ding hat eine Geschichte. Geschichten bestehen darauf, erzählt zu werden – nur so nähern sie sich ihrem eigentlichen Wesen, nämlich Erzählung zu werden. Unter der Anleitung von Daniela Egger nähern sich die Teilnehmenden mit einfachen Schreibübungen dem Schreiben und der Erzählung, erobern das weiße Blatt und kommen zur eigenen Sprache. Sa, 16.9.: 10-17 So, 17.9.: 9-16

Workshop II: Dinge sprechen – Gestaltung/Kunst mit Hubert Matt: Ein Ding finden. Auf dem Dachboden – oder sonst wo. Sich mit diesem Ding beschäftigen. Recherche. Objektbiografie oder Objektanalyse. Mit den Dingen arbeiten, sie kopieren, abzeichnen, in Betrieb setzen, sie mit anderen Dingen kombinieren, sie in Diagramme einbauen oder sie inszenieren. Es geht um einen forschenden Zugang zu den Objekten mittels gestalterischer und künstlerischer Praktiken. Der Workshop richtet sich sowohl an Menschen aus dem Design, also auch an solche aus der Kunst oder der Museumsarbeit bzw. Szenografie. Fr, 22.9.: 9-16 Sa, 23.9.: 10-19

Workshop III: Dinge klingen – Klänge mit Gerold Amann In diesem Workshop geht es darum, aus vorgefundenem Material (Holz, Eisen, Blech etc.), oder Dingen und Gegenständen Töne zu hören und unter der Begleitung des für ausgefallene Kompositionen bekannten Gerold Amann damit zu experimentieren, sodass eine kurze Klangfolge bzw. auch Komposition entsteht, die dem Wesen des Gebäudes der Artenne gerecht wird und dieses als Klangkörper in den Mittelpunkt stellt. Sa, 30.9.: 14-17 So, 1.10.: 10-13

Workshop IV: „Dinge auf Zeit“ – Projekt + Ausstellung mit Johanna Reiner u. Team „Eintagsmuseum“ Johanna Reiner und ihr Team von „Eintagsmuseum“ treten mit Bewohnern aus dem Dorf in Kontakt und konzipieren mit diesen eine Ausstellung mit privaten Dingen auf Zeit. Mit Souvenirs, Fotografien, Dokumenten, Geschichten, aber auch Geräuschen und Gerüchen entsteht gleichsam ein sukzessive wachsenes Museum, das zeitlich beschränkt ist.   Mo, 1.10., bis Sa, 7.10.

Die Ergebnisse aller vier Workshops sind im Rahmen der Langen Nacht der Museen am 7. Oktober zu sehen und zu hören.

Weitere Infos und Anmeldung zu den Workshops:

http://www.artenne.at

Tel. 0664 735 745 14 info@artenne.at

Objet trouvé – Klausur

ab 4. September bis 10. September

Gottfried Fliedl, Leiter des Symposiums schreibt dazu:

„Auf dem Dachboden der Gebäude der Artenne Nenzing befindet sich ein ‚Depot’ von über Generationen beiseitegelegter, abgestellter Objekte, die als Fundus weitgehend ‚unentdeckt’ sind. In einer Klausur, in der sich Expertinnen und Experten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland zusammenfinden werden, soll mit diesem „Fund“ gearbeitet werden.

In der Tradition früherer Veranstaltungen, die als museologische Reflexionsräume funktionierten (Schloß Drosendorf Niederösterreich; Retzhof Steiermark) wird in einer Mischung aus praktischer und theoretischer Beschäftigung das semantische Feld von ‚Objekt’ (das sehr weit und vielfältig ist – Ding, Gegenstand, Sache, Relikt, Rest, Überbleibsel usw.) untersucht und diskutiert. Es geht dabei um Arbeit am Text (etwa an den diversen Begriffen) und an den Objekten (dichte Beschreibungen, biografische Texte, literarische usw.), eine Arbeit, die sich je nach Verfügbarkeit von Zeit, zu einer ad hoc realisierten Ausstellung verdichten kann.

Im Zentrum der Veranstaltung steht mit dem ‚Objekt’/’Exponat’ eines der Schlüsselelemente jeder musealen Arbeit. Es sollen unterschiedliche theoretische und praktische Zugänge gesucht werden, wie man sie in Ausstellungen und in der Theoriebildung findet und es sollen vor allem in der praktischen Arbeit auch neue, ungewohnte Wege des Umgangs mit der Präsentation von Objekten gesucht werden.“

 

Workshop II

Fr 22. September 9-16 Uhr

Sa 23. September 10-19 Uhr

Dinge sprechen – Gestaltung/Kunst mit Hubert Matt

Hubert Matt lehrt an der FH Dornbirn Mediengestaltung, ist Künstler und Philosoph

Ein Ding finden. Ein Ding das abgelagert ist. Auf dem Dachboden – oder sonst wo. Sich mit diesem Ding beschäftigen. Recherche. Objektbiografie oder Objektanalyse. Das kann in der Rolle des Kulturhistorikers, der Kulturhistorikerin oder aus der Perspektive der Museologie erfolgen. Das kann aber auch in einem primär gestalterischen Zugang erfolgen. Von einem szenografischen Zugang sprechen wir, wenn von Design die Rede ist, von einem künstlerischen können wir aber auch sprechen. Wir wollen mit den Dingen arbeiten (damit auch über sie), wir können sie kopieren, abzeichnen, in Betrieb setzen, sie mit anderen Dingen kombinieren, sie inszenieren, sie in Diagramme einbauen oder sie inszenieren.

Es geht um einen forschenden Zugang zu den Objekten mittels gestalterischer und künstlerischer Praktiken. Eine gewisse theoretische und begriffliche Auseinandersetzung – primär über die Netzwerkanalyse von Bruno Latour – begleitet das Tun. Wollen wir das Objekt zum Schweigen oder zum Sprechen bringen? Wollen wir sein Netzwerk erforschen? Wollen wir es einfach bestaunen? Die Zugänge zu den Objekten sind völlig offen, ja es geht primär darum solche Zugänge zu finden – und zwar im aktiven Umgang mit den Dingen.

Der Workshop richtet sich sowohl an Menschen aus dem Design, also auch an solche aus der Kunst oder der Museumsarbeit bzw. Szenografie. Innert zwei Tagen wird ein Beziehungsprozess bzw. ein Transformationsprozess abgeschlossen.

Anmeldung erforderlich

Workshop IV

Mo 2. – Sa 7. Oktober

„Dinge auf Zeit“ Projekt + Ausstellung mit Johanna Reiner + Team-Eintagsmuseum

Johanna Reiner und ihr Team von „Eintagsmuseum“ treten mit Bewohnern aus dem Dorf in Kontakt und konzipieren mit diesen eine Ausstellung mit privaten Dingen auf Zeit. Das „Eintagsmuseum“ versteht sich als ein wachsender Ort. Als ephemeres Projekt existiert es nur für eine bestimmte Zeit. Es ist ein partizipatorisches Projekt, bei dem Besucher_innen eingeladen werden, Objekte, Geschichten oder Themen, die ihnen wichtig sind, mit- und einzubringen. Mit Souvenirs, Fotografien, Dokumenten, Geschichten, aber auch Geräuschen und Gerüchen entsteht ein Museum auf Zeit. Für die so wachsende Sammlung wird ein temporäres „Museum“ gebaut, das als Skulptur im Raum einen momentanen Zustand beschreibt und gleichsam wie eine Zeitkapsel die Gegenwart für die Zukunft bewahrt.

*Anmeldung erforderlich

 

Lange Nacht der Museen 2017 ORF

Samstag, 7. Oktober vom 18.00 – 1.00 Uhr

Die Artenne ist eine Plattform für Kunst- und Kulturprojekte zu regionalbezogenen Themen.

OBJET TROUVÉES Die in einer Klausur von Museumsexpert/innen erarbeiteten Ergebnisse werden präsentiert. Dabei können die Besucher/innen entdecken was Alltagsgegenstände  im Museumskontext leisten können.

AUSSTELLUNG: SPRECHENDE DACHBÖDEN Künstler/innen haben mit Besucher/innen in Workshops verschiedene Objekte erarbeitet. Lassen Sie sich überraschen!

Workshop I

Workshop II

Workshop III

Workshop IV

 

ERZÄHLUNGEN UND MUSIKSTÜCKE (AB 18.00 UHR) Präsentiert werden neben der Ausstellung im 15-Minuten-Takt Erzählungen und kurze Musikstücke.

KINDERPROGRAMM (AB 18.00 UHR) Eine Kinder-Rallye mit einem Suchspiel führt durch das Stallgebäude. Dabei erfahren die Kinder mehr über die einzelnen Objekte.